Phishing-E-Mails sehen heute professioneller aus als je zuvor. KI schreibt fehlerfreie Texte, Logos werden originalgetreu kopiert, Absenderadressen wirken auf den ersten Blick echt. Trotzdem haben Phishing-Mails fast immer verräterische Merkmale – wenn man weiß, wo man schauen muss. Diese Seite zeigt Ihnen, worauf Sie in 30 Sekunden achten sollten, bevor Sie auf einen Link klicken oder einen Anhang öffnen.

Der 30-Sekunden-Test: Diese 5 Fragen schützen Sie

Bevor Sie klicken oder antworten – kurz innehalten:

📬 Habe ich diese E-Mail erwartet?
⏱️ Wird Druck oder Dringlichkeit erzeugt?
🔗 Wohin führt der Link wirklich?
👤 Wer ist der echte Absender?
🔑 Werden Zugangsdaten verlangt?

Wenn Sie auch nur eine dieser Fragen mit „Ja" oder „Bin mir nicht sicher" beantworten: Nicht klicken. Stattdessen direkt beim vermeintlichen Absender anrufen – nicht per Antwort auf die Mail, sondern über eine Nummer, die Sie selbst kennen oder nachschlagen.

Anatomie einer Phishing-Mail – annotiertes Beispiel

So sieht eine typische Phishing-E-Mail aus, die sich als Microsoft-Sicherheitswarnung tarnt. Die markierten Stellen ! zeigen die Warnsignale:

Von: security-alert@microsofft-support.com 1
An: m.mueller@ihrunternehmen.de
Betreff: ⚠️ Ihr Microsoft-Konto wurde gesperrt – Sofortmaßnahme erforderlich 2
⚠️ Ihr Microsoft-Konto wurde gesperrt – Sofortmaßnahme erforderlich

Sehr geehrter Kunde, 3

wir haben ungewöhnliche Anmeldeaktivitäten in Ihrem Microsoft 365-Konto festgestellt. Zum Schutz Ihrer Daten wurde Ihr Konto vorübergehend eingeschränkt.

Bitte bestätigen Sie Ihre Identität innerhalb von 24 Stunden, 4 da andernfalls Ihr Konto permanent gesperrt wird und alle gespeicherten Daten verloren gehen.

Konto jetzt entsperren 5

Bei Fragen wenden Sie sich an unseren Support.
Microsoft Security Team

Microsoft Corporation · One Microsoft Way · Redmond WA 98052 6

Die 8 häufigsten Warnsignale

📧

Komische Absenderadresse

Der angezeigte Name klingt echt, aber die E-Mail-Adresse dahinter ist eine Fremdomain. Immer auf die Adresse in < > achten, nicht nur auf den Anzeigenamen.

🔗

Link ≠ was er vorgibt

Mit der Maus über den Link fahren (nicht klicken). Die angezeigte URL im Browser-Footer zeigt das echte Ziel. Stimmt es nicht mit dem Text überein – Finger weg.

Künstlicher Zeitdruck

„24 Stunden", „sofort", „permanent gesperrt" – wer keinen Druck ausübt, braucht keinen zu machen. Legitime Dienste löschen keine Konten ohne mehrfache Vorwarnung.

🔑

Passwort oder Code abgefragt

Kein seriöser Dienst fragt per E-Mail nach Ihrem Passwort, MFA-Code oder Ihrer PIN. Niemals. Auch nicht der IT-Support Ihres Unternehmens.

👤

Unpersönliche Anrede

„Sehr geehrter Kunde", „Lieber Nutzer" statt Ihres Namens. Dienste, bei denen Sie angemeldet sind, kennen Ihren Namen und verwenden ihn.

📎

Unerwarteter Anhang

Eine Rechnung, die Sie nicht bestellt haben. Ein Paket, das Sie nicht erwartet haben. Anhänge wie .exe, .zip, .docm oder .xlsm können Schadsoftware enthalten.

🏦

Zahlungsaufforderung unter Druck

„Offene Rechnung", „letzte Mahnung", „Inkasso" – diese E-Mails wirken real, sind aber oft gefälscht. Im Zweifel: Direkt beim Absender anrufen.

🖼️

Logo stimmt, Rest nicht

Das Microsoft- oder DHL-Logo ist perfekt kopiert, aber Schriftarten, Abstände oder die Sprache wirken seltsam. Logos kosten Angreifer nichts – sie sagen nichts über die Echtheit aus.

Zweites Beispiel: CEO-Fraud per E-Mail

Diese Variante ist besonders gefährlich, weil sie ohne Links und Anhänge auskommt – und deshalb Spam-Filter oft passiert:

Von: Thomas Bauer – Geschäftsführung <t.bauer@ihrunternehmen-gmbh.de 1>
An: buchhaltung@ihrunternehmen.de
Betreff: Dringende Überweisung – vertraulich 2
Dringende Überweisung – vertraulich

Hallo,

ich bin gerade in einem Meeting und nicht erreichbar. 3 Ich benötige dringend eine sofortige Überweisung an einen neuen Lieferanten. Die Details sind vertraulich und dürfen mit niemandem besprochen werden.

Bitte überweisen Sie 8.750 € 4 auf folgendes Konto: IBAN DE89 3704 0044 0532 0130 00 · Bank: Commerzbank · Empfänger: Global Supplies GmbH

Bestätigen Sie kurz per E-Mail, wenn die Überweisung erfolgt ist. Ich melde mich nachher – bitte nichts intern kommunizieren. 5

Danke und Grüße,
Thomas Bauer

Goldene Regel beim CEO-Fraud: Rückfragen sind immer erlaubt. Rufen Sie die Person direkt an – über eine Nummer aus dem internen Verzeichnis, nicht über eine in der E-Mail genannte. Wer eine solche Anfrage stellt und keine Rückfragen duldet, ist kein Vorgesetzter.

Was tun, wenn Sie doch geklickt haben?

Auch mit dem besten Bewusstsein passiert es: Man klickt, bevor man nachdenkt. Wichtig ist, was dann passiert:

Sofortmaßnahmen nach einem versehentlichen Klick

  • Netzwerk trennen: WLAN aus oder Netzwerkkabel ziehen – besonders wenn etwas heruntergeladen wurde
  • Passwort sofort ändern – von einem anderen Gerät aus, falls Sie Ihre Zugangsdaten eingegeben haben
  • IT informieren: Sofort melden – auch wenn nichts passiert zu sein scheint. Je früher, desto besser
  • Nicht selbst „aufräumen": Keine Dateien löschen, keinen Virenscanner starten – das kann Beweise vernichten
  • Kollegen warnen, falls Sie die E-Mail weitergeleitet haben
Kein Grund zur Panik: Wer einen Phishing-Versuch meldet, handelt richtig – auch wenn er zuvor geklickt hat. Wer es versteckt, gibt Angreifern mehr Zeit. IT-Abteilungen und IT-Dienstleister sind darauf eingestellt und reagieren ohne Vorwürfe.

Kurzreferenz: Die wichtigsten Regeln auf einen Blick

Die Phishing-Checkliste zum Merken

  • Absenderadresse prüfen – nicht nur den angezeigten Namen
  • Mit der Maus über Links fahren, bevor man klickt (Ziel-URL sehen)
  • Dringlichkeit und Druck = Warnsignal, nicht Handlungsaufforderung
  • Kein seriöser Dienst fragt per E-Mail nach Passwort oder MFA-Code
  • Unerwarteter Anhang? Erst beim Absender nachfragen
  • Überweisungsanfragen per E-Mail immer telefonisch bestätigen
  • Im Zweifel: Nicht klicken – lieber einmal zu viel die IT fragen

Fazit

Phishing-Angriffe sind das erfolgreichste Werkzeug von Cyberkriminellen – nicht weil Menschen dumm sind, sondern weil die Mails immer besser werden und oft im richtigen Moment kommen. Wer die Muster kennt, kann innehalten, bevor es zu spät ist. Schicken Sie diesen Artikel gerne an Ihr Team – ein kurzer Moment der Aufmerksamkeit reicht oft aus, um einen Angriff zu stoppen.

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Manuel Eilert
Manuel Eilert Geschäftsführer, digital73 it service gmbh Manuel berät Berliner Unternehmen und Kanzleien seit über 15 Jahren in IT-Sicherheit und Microsoft-365-Infrastrukturen.