Microsoft 365 nutzen die meisten Mitarbeiter jeden Tag – aber was man selbst tun kann, um das eigene Konto und die Firmendaten zu schützen, ist vielen nicht klar. Kein Admin-Zugang nötig, kein IT-Studium. Diese 10 Punkte sind alle ohne technische Vorkenntnisse umsetzbar oder zumindest verständlich – und jeder davon macht einen echten Unterschied.

Für wen ist das? Für alle, die täglich mit Outlook, Teams, OneDrive oder SharePoint arbeiten – nicht für IT-Admins. Adminaufgaben wie Conditional Access oder DMARC sind hier bewusst ausgeklammert.

Die 10 Punkte im Überblick

1

Microsoft Authenticator App statt SMS verwenden

Einfach

Wenn MFA für Ihr Konto aktiviert ist, haben Sie wahrscheinlich die Wahl zwischen SMS-Code und Authenticator-App. Wählen Sie die App. SMS-Codes können abgefangen werden – durch SIM-Swapping oder Weiterleitungsangriffe. Die Authenticator-App generiert den Code lokal auf Ihrem Gerät und ist deutlich sicherer.

Installieren Sie die Microsoft Authenticator App (kostenlos, iOS und Android) und richten Sie sie als Standard-MFA-Methode ein unter: mysignins.microsoft.com → Sicherheitsinformationen.

mysignins.microsoft.com → Sicherheitsinformationen → Methode hinzufügen
2

MFA-Anfragen nur bestätigen, wenn Sie sich gerade selbst anmelden

Einfach

Sie sitzen am Schreibtisch, haben sich nicht angemeldet – und plötzlich poppt eine MFA-Anfrage auf Ihrem Handy auf. Ablehnen und sofort IT informieren. Das ist ein aktiver Anmeldeversuch von jemand anderem mit Ihrem Passwort.

Beim sogenannten MFA-Fatigue-Angriff schicken Angreifer so viele Anfragen, bis der Nutzer genervt auf „Bestätigen" tippt. Tippen Sie niemals auf Bestätigen, wenn Sie sich nicht gerade aktiv anmelden – egal wie oft die Anfrage kommt.

Verdächtige MFA-Anfrage? → Ablehnen → IT anrufen
3

Phishing erkennen – auch in SharePoint und Teams

Einfach

Phishing kommt längst nicht mehr nur per E-Mail. Angreifer verschicken echte SharePoint-Links, die auf eine gefälschte Microsoft-Loginseite führen. Oder sie schreiben über Teams als vermeintlicher Kollege und bitten um Login-Daten oder eine schnelle Überweisung.

Drei Fragen, die immer helfen: Habe ich diese Nachricht erwartet? Wird Druck gemacht oder Dringlichkeit erzeugt? Werde ich aufgefordert, mich irgendwo anzumelden oder etwas herunterzuladen? Wenn ja auf eine dieser Fragen – kurz beim Absender nachfragen, bevor Sie klicken.

Im Zweifel: Link nicht klicken, Absender direkt anrufen
4

Passwörter nicht im Browser speichern – Password Manager nutzen

Einfach

Der Browser fragt nach jeder Anmeldung, ob er das Passwort speichern soll. Praktisch – aber riskant: Wer Zugriff auf Ihren entsperrten Computer hat, kommt auch an alle gespeicherten Passwörter. Das gilt für gestohlene Geräte genauso wie für Schadsoftware, die Browserdaten ausliest.

Nutzen Sie stattdessen einen dedizierten Passwort-Manager wie Bitwarden (kostenlos) oder 1Password. Diese verschlüsseln Ihre Passwörter sicher und können trotzdem bequem automatisch ausfüllen.

Empfehlung: Bitwarden (kostenlos) oder 1Password
5

Dateien richtig freigeben – nicht „Jeder mit dem Link"

Einfach

Wenn Sie in OneDrive oder SharePoint eine Datei teilen, schlägt M365 oft „Jeder mit dem Link" vor. Das bedeutet: Wer diesen Link kennt oder bekommt, kann die Datei öffnen – ohne Anmeldung, ohne Überprüfung. Wird der Link versehentlich weitergeleitet, haben Fremde Zugriff.

Wählen Sie stattdessen „Bestimmte Personen" und tragen Sie die E-Mail-Adresse der beabsichtigten Empfänger ein. Wenn externe Freigabe nötig ist: Ablaufdatum setzen und danach den Link deaktivieren.

OneDrive/SharePoint → Teilen → „Bestimmte Personen" wählen
6

Anmeldewarnungen per E-Mail ernst nehmen

Einfach

Microsoft schickt automatisch E-Mails, wenn sich jemand von einem neuen Gerät oder einem unbekannten Ort in Ihr Konto einloggt. Diese Mails landen oft unbeachtet im Postfach. Dabei sind sie wertvolle Frühwarnsignale.

Wenn Sie eine solche Mail bekommen und die Anmeldung nicht selbst waren: Sofort Passwort ändern, IT informieren. Alle aktiven Sitzungen lassen sich unter mysignins.microsoft.com einsehen und bei Bedarf widerrufen.

mysignins.microsoft.com → Meine Anmeldungen
7

OneDrive ist kein Backup – aber der Versionsverlauf hilft

Mittel

OneDrive synchronisiert Ihre Dateien in die Cloud – das ist kein Backup. Wenn Sie versehentlich eine Datei löschen oder überschreiben, ist das auch in der Cloud gelöscht oder überschrieben. Ransomware, die Dateien verschlüsselt, synchronisiert diese Verschlüsselung ebenfalls.

Was hilft: der Versionsverlauf. OneDrive speichert ältere Versionen jeder Datei bis zu 93 Tage zurück. Rechtsklick auf eine Datei in OneDrive → Versionsverlauf – von dort können Sie ältere Versionen wiederherstellen. Für ein echtes Backup sorgt Ihr IT-Dienstleister.

OneDrive → Rechtsklick auf Datei → Versionsverlauf
8

Externe Freigaben regelmäßig prüfen und aufräumen

Mittel

Mit der Zeit sammeln sich geteilte Dateien und Ordner an – mit externen Partnern, Dienstleistern oder Kunden, mit denen man schon lange nicht mehr zusammenarbeitet. Diese Freigaben bleiben aktiv, bis sie manuell entfernt werden.

Öffnen Sie OneDrive im Browser und prüfen Sie unter „Geteilt", welche Dateien Sie mit wem geteilt haben. Freigaben, die nicht mehr benötigt werden, einfach widerrufen. Das dauert keine zehn Minuten und reduziert Ihre Angriffsfläche spürbar.

OneDrive (Web) → Meine Dateien → „Geteilt" → Freigabe verwalten
9

Sensible Informationen nicht im Klartext per Chat oder E-Mail

Einfach

Passwörter, Kontonummern, Zugangsdaten oder Mandantendaten gehören nicht in Teams-Chats oder E-Mails – auch nicht intern. Chats können mitgelesen werden, Konten können übernommen werden, und E-Mails landen manchmal beim falschen Empfänger.

Für den Austausch sensibler Zugangsdaten nutzen Sie einen Passwort-Manager mit Teilen-Funktion (z. B. Bitwarden Send) oder sprechen Sie kurz persönlich oder telefonisch. Was nicht aufgeschrieben ist, kann auch nicht abgefangen werden.

Faustregel: Würde ich das auf einer Postkarte schreiben? Wenn nein → nicht per Chat/Mail
10

Sicherheitsmeldungen und Updates nicht wegklicken

Einfach

Windows-Updates, Office-Updates, Sicherheitswarnungen im Browser – viele Nutzer klicken diese reflexartig weg, weil sie stören. Dabei schließen Updates meist konkrete Sicherheitslücken, die kurz vorher öffentlich bekannt geworden sind. Je länger man wartet, desto länger ist man angreifbar.

Richten Sie Windows so ein, dass Updates automatisch installiert werden (Einstellungen → Windows Update → Automatisch). Wenn eine Sicherheitswarnung erscheint, lesen Sie sie kurz – und wenn Sie unsicher sind, fragen Sie die IT, bevor Sie auf „Ignorieren" klicken.

Windows-Einstellungen → Windows Update → Automatische Updates aktivieren

Zusammenfassung auf einen Blick

Was Sie heute noch tun können

  • Microsoft Authenticator App einrichten statt SMS
  • Unter mysignins.microsoft.com prüfen: Welche Geräte haben Zugriff?
  • In OneDrive: Freigaben prüfen und nicht mehr benötigte entfernen
  • Automatische Windows-Updates aktivieren
  • Kollegen erklären: MFA-Anfrage ohne eigene Anmeldung = sofort ablehnen
Passwörter im Browser gespeichert? Exportieren Sie sie einmalig in einen Passwort-Manager und deaktivieren Sie danach die Passwortspeicherung im Browser. Anleitung gibt es für Chrome, Edge und Firefox jeweils direkt in den Einstellungen unter „Passwörter".

Fazit

IT-Sicherheit in Microsoft 365 ist keine reine Admin-Aufgabe. Viele der häufigsten Angriffe – Phishing, Konto-Übernahme, versehentliche Datenweitergabe – setzen beim einzelnen Nutzer an. Wer diese 10 Punkte kennt und beherzigt, schützt nicht nur das eigene Konto, sondern auch die Daten aller Kollegen und Kunden. Und das ganz ohne IT-Studium.

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Manuel Eilert
Manuel Eilert Geschäftsführer, digital73 it service gmbh Manuel berät Berliner Unternehmen und Kanzleien seit über 15 Jahren in IT-Sicherheit und Microsoft-365-Infrastrukturen.